Loud & Proud Book Festival

Gay-Romance – wie düster/blutig darf’s sein?

Autor Patrick Göbel

Ein Schreibprozess ist immer auch ein Entwicklungsprozess. Nicht nur die Figuren, die man erschafft, werden lebendiger und wachsen – sondern auch man selbst. Momentan befinde ich mich genau in dieser Phase der Entwicklung. Und sie bringt Fragen mit sich: Wie lässt man die Figuren handeln? Wie schafft man Übergänge, Zwischentöne oder Passagen, die die Handlung miteinander verbinden? Vor kurzem habe ich mir auch zum folgenden Thema viele Gedanken gemacht: Wie düster, beklemmend oder blutig darf eine Gay Romance sein? Dazu erinnerte ich mich an einen Leserkommentar vor über drei Jahren.

Im Frühjahr 2017 hatte ich nach der fünfteiligen Strong Passion-Reihe meine erste ernstere Gay Romance-Geschichte veröffentlicht („Die Scherben des letzten Tages“). Sie war bedrohlich und beklemmend, sollte die Leser bewusst schockieren, gleichzeitig aber auch an die Hand nehmen und mit ihnen durch diese Geschichte gehen.

In Verbindung mit dem Thema Depression konnte ich die Figuren nicht zart zeichnen oder sanft agieren lassen. Das hätte nicht ins Bild gepasst und das Thema Depression verharmlost – und das will ich auf keinen Fall. Das wäre den Menschen, die darunter leiden, nicht fair.

Eine Leserin schrieb mir über Facebook, nachdem sie das Buch gelesen hatte, es habe sie völlig ängstlich und hoffnungslos zurückgelassen. Nach einem regen Austausch stellte sich für mich damals schon die Frage: Wie düster im psychischen Sinne, oder eben – wie blutig im physischen Sinne darf es in einer Gay Romance werden?

Auch bei meinem aktuellen Buch, einem Gay-Thriller, der mir gerade aus der Feder sprießt, stellt sich dieselbe Frage. Diesmal sind aber beide Aspekte gefragt – der physische und der psychische Aspekt. In einigen Passagen geht es sehr blutig und düster zu, weshalb ich mich zu diesem Diskussionsbeitrag entschlossen habe. Außerdem tauche ich sehr tief in die Gedanken- und Gefühlswelt einer der Hauptfiguren ein, und beleuchte seine Seele, wenn man so will. Es wird sehr psychologisch, tiefgreifend, und das in Verbindung mit physischen Facetten. Ich möchte von Euch wissen, wie ihr die Sache seht.

Es ist eine Sache, eine Gay Romance sich in die kitschige Richtung entwickeln zu lassen. Klar kann es auch mal schwülstig hergehen. Aber was ist eigentlich, wenn man das um 180 Grad dreht? Die Geschichte, die in meinem langsam wachsenden Buch steckt, funktioniert nicht ohne Bedrohung, Beklemmung und Düsternis – aber stört euch das beim Lesen, wenn es in einer Gay Romance auch mal härter zugeht?

Denkt ihr, man kann die Gay Romance, die sich in viele verschiedene, bunte Facetten unterteilen und aufschlüsseln lässt, auch in diese Richtung schreiben? Klar, es ist ein Liebesroman, aber selbst in der kitschigsten ARD-Serie kommt es öfters zu Gewalt, als man meinen könnte. Also: Kann man in einer Gay Romance eurer Meinung nach die Aspekte Romantik, Liebe und Sex mit den komplett gegenteiligen Facetten, also Beklemmung oder einer düsteren Stimmung vereinen? Oder sagt ihr, eine Stimmung, die Düsternis und Bedrohung birgt, schmälert das Romantik-Gefühl?

Und was, wenn auch noch der psychische Aspekt dazukommt? Was, wenn ein Protagonist so tiefe Wunden in seiner Seele mit sich trägt, dass er versucht, die irgendwie zu kanalisieren? Dann steht die düstere Seele, der düstere Geist, mit Romantik und zarten Momenten, samt der bedrückenden Atmosphäre in Verbindung. Können diese drei komplett gegensätzlichen Gefühle und Stimmungen zwischen zwei Buchdeckeln zusammenpassen und miteinander harmonieren in einer Gay Romance? Oder erdrückt eine Stimmung die andere? Und: Wie weit würdet ihr gehen, wenn ihr die Vermischung von psychischem und physischem „Horror“ bzw. dieser bedrückenden Stimmungen mit der Romantik im Buch habt? Bis zu welchem Punkt findet ihr es angemessen?

Ich bin auf eure Meinungen gespannt und freue mich auf eure Kommentare!

Geschrieben vom Patrick Göbel

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